09.06.2011

Information zum Sozialprojekt Emmaus von Caritas und Gewo Gera am Bieblacher Berg

Pressemitteilung - Gera, 09.06.2011

Information zum Sozialprojekt „Emmaus“ von Caritas und Gewo Gera am Bieblacher Berg

Die Gewo Gera, Zweigniederlassung der DKB Wohnungsgesellschaft Thüringen mbH, und der Caritasverband für Ostthüringen e.V. sind seit März 2011 Kooperationspartner, insbesondere um Pflege- und Dienstleistungen für ältere Mieter zu ermöglichen. Seit einigen Wochen sind die beiden Partner im Gespräch zu einer Kooperation am Bieblacher Berg, die bei einem Teil der dortigen Mieter auf Unverständnis stößt.

Zu den Hintergründen
Das Emmaus-Projekt ist ein Hilfsangebot der Caritas an wohnungslose Menschen, die zurück in ein ganz normales Leben wollen. Dazu begeben sie sich freiwillig in Therapie und Betreuung. Es geht hier nicht um Schwerkriminelle, sondern um Menschen, die irgendwann in ihrem Leben mit ihren Problemen nicht mehr allein fertig geworden sind. Dies kann einen Automechaniker genau wie einen Professor oder Abteilungsleiter treffen.

Das Haus „Emmaus“ befindet sich derzeit in Zwötzen und soll nun behindertengerecht umgebaut und saniert werden. Seit fast 20 Jahren ist Emmaus dort Nachbar von privaten und Gewo-Wohnhäusern, in denen Familien mit Kindern sowie ältere Mieter leben. In dieser Zeit lebten die Bewohner in einem normalen nachbarschaftlichen Verhältnis mit den Bewohnern im Umfeld und es ergaben sich über vielfältige Projekte positive Kontakte zwischen den Menschen.

Vor einigen Wochen ist die Caritas an die Gewo herangetreten, um ein neues Quartier für das Haus „Emmaus“ zu finden. Damit die umfassende soziale Begleitung fortgesetzt werden kann, benötigt man ausreichend große und beieinander liegende Wohnungen. Dies kann die Gewo am Bieblacher Berg in der Maler-Fischer-Straße bieten.

Das geplante Projekt in der Maler-Fischer Straße
Geplant ist, dass die derzeitigen Bewohner des Haus „Emmaus“, die freiwillig diese Unterstützung in Anspruch nehmen, mit den Mitarbeitern aus den Bereichen Sozialpädagogik, Hauswirtschaft, Haustechnik und Concierge dort einziehen. In den Wohngruppen wohnen hauptsächlich Männer verschiedenen Alters; die ihren Wohnalltag und Freizeit gemeinsam gestalten. Die Bewohner erkennen strenge, selbst erarbeitete Regeln des Zusammenlebens an, 22 Uhr ist Hausruhe. Verstoßen die Bewohner gegen die Regeln, werden sie sanktioniert und bei wiederholten Verstößen aus dem Hilfsprogramm ausgeschlossen.

Um das Familienquartier am Bieblacher Berg weiter aufzuwerten, eröffnen Gewo und Caritas einen Bewohnertreff in der Maler-Fischer-Straße 11 zu öffnen, der besonders auf die Bedürfnisse der Familien im Quartier ausgerichtet sein wird. Vorgesehen sind zum Beispiel kostenlose Hausaufgabenhilfen, Spielnachmittage, Freizeitangebote in den Ferien sowie Themen rund um den Haushalt für die erwachsenen Bewohner. Aber auch zu familiären, sozialen oder finanziellen Fragen können sich die Mieter dort kompetenten Rat holen.

Die Diskussion
Als die Mieter und Anwohner von den Plänen der Caritas und Gewo am Standort erfuhren, wurden Bedenken laut. Diese nahmen beide Partner sehr ernst und um die Bedenken zu zerstreuen, bot die Caritas allen Kritikern an, das Haus „Emmaus“ zu besuchen, um sich von der tatsächlichen Situation zu überzeugen. Von den Skeptikern hat lediglich einer dieses Angebot angenommen. Heinz Roeske und seine Frau, Mieter aus der Otto-Oettel-Straße, waren sehr angetan von der Ordnung und der Ruhe im Haus und zeigten sich erstaunt, dass die meisten Emmaus-Bewohner bis etwa 17 Uhr arbeiten gehen. (OTZ am 21.05.2011)

Verschiedene Gesprächsangebote seitens der Gewo und der Caritas sowie mehrere Vororttermine konnten noch keine Annäherung erzielen. Einige Mieter unterstellen den künftigen Bewohnern bereits im Vorfeld Gewalt, Drogenhandel, Glasbruch und kriminelle Belästigungen und verurteilen diese damit vor.

Der aktuelle Status des Projekts
Gewo und Caritas sind überein gekommen, dass man parallel zur Maler-Fischer-Straße gemeinsam weitere Alternativen prüft. Der Einzug vom Haus „Emmaus“ in die Maler-Fischer-Straße ist nicht ausgeschlossen.

Am Konzept der familienfreundlichen Entwicklung des Quartiers hält die Gewo fest und wird deshalb den geplanten Bewohnertreff mit der Caritas eröffnen und den Mietern vielfältige soziale und kulturelle Angebote unterbreiten.

----

Unsere Meinung: Statement der Gewo-Geschäftsleitung zur Diskussion
Die Gewo Gera engagiert sich für bestmögliche Wohnqualität sowie für soziale, kulturelle und regionale Projekte in Gera. Denn beste Wohn- und Lebensbedingungen sind auch für unser Unternehmen Garant für einen langfristigen Erfolg.

So unterstützen wir nicht nur Kindergärten, Sportvereine und Kultureinrichtungen, sondern stellen auch, wo es hilfreich ist, sozialen Projekten Räumlichkeiten zur Verfügung. So war es für uns selbstverständlich, der Caritas für das Haus „Emmaus“ Hilfe anzubieten. Noch nie hat ein soziales Projekt so viel Resonanz erzeugt.


Die Mieter fürchten um ihre Ruhe und die Sicherheit ihrer Kinder. Dafür haben wir in unserer Eigenschaft als Vermieter Verständnis. Wir fühlen uns für das Wohl unserer Mieter verantwortlich. Deshalb haben wir uns im Vorfeld umfassend über das Projekt informiert und hätten diesem nicht zugestimmt, wenn wir nicht der festen Überzeugung wären, dass es für die Mieter keine negativen Auswirkungen haben wird. Die Menschen im Haus „Emmaus“ befinden sich freiwillig dort und wollen zurück in ein normales Leben, aus dem sie in der Regel ursprünglich auch kommen.

In der Diskussion um das Projekt wurden seitens der Bedenkenträger Behauptungen aufgestellt, die aus unserer Sicht höchst unsachlich sind: „der Handel mit Drogen (wird) nicht ausgeschlossen“, es müsse davon „ausgegangen werden, dass sie (die Kinder) belästigt werden“, die Nutzung der Spielplätze werde „erfahrungsgemäß nicht mehr möglich“ sein, die „Sicherheit vieler älterer Bürger“ wird „als gefährdet“ angesehen.

Wir bedauern, dass nur ein einziges Mieterpaar die Gelegenheit genutzt hat, sich von den wirklichen Menschen und dem realen Haus „Emmaus“ zu überzeugen. Und dass das Ehepaar Roeske am Ende positiv überrascht war, bestätigt unsere Einschätzung.

Mit einer Verhärtung der Fronten ist am Ende jedoch keiner Seite gedient, schon gar nicht dem Projekt selbst. Deshalb suchen Caritas und Gewo nach der besten Lösung, prüfen weitere Optionen. Findet sich kein geeignetes Objekt, wird die Maler-Fischer-Straße jedoch wieder ins Gespräch kommen. An unserem Konzept, das familienfreundliche Quartier weiter zu entwickeln, halten wir fest – ebenso an unserem Angebot eines Bewohnertreffs.